“Microtonic” schlägt mit bemerkenswerter Konsequenz ein neues Kapitel für Bdrmm auf. Die britische Band, die sich mit ihrem Debüt „Bedroom“ (2020) als vielversprechende Shoegaze-Hoffnung etablierte und verloren geglaubte Fans zwischen Ride und DIIV einsammelte, sie entfernt sich bisweilen weit vom klassischen Gitarrenwallen.

Stattdessen öffnen sich ihre Klangräume für elektronische Texturen, pulsierende Rhythmen und eine neue, fast hypnotische Klarheit, die textlich in die Tiefe reicht: „Distractions/Spasms/Terror/Death/It all happened“.

Sicher, es gibt sie noch, die mäandernden Stücke, allen voran “Infinty Peaking”, das Shoegaze und Electronica geschickt mit einander verheiratet. Sie sind allerdings deutlich in der Unterzahl. Meistens treten Gitarren schließlich nur noch als gezielt eingesetzte Farbtupfer in Erscheinung.

Diese Entwicklung deutete sich bereits auf „I Don’t Know“ (2023) an, mit ihrem dritten Album treiben Bdrmm den Wandel jedoch viel forscher voran. Anstatt sich im verträumten Nebel aus Hall und Verzerrung zu verlieren, setzt das Quartett auf Struktur, sequenzierte Beats und einen wagemutiger Produktionsansatz.

Zwischen Club und Kopfkino herrscht so von Beginn an eine spürbare Kühle. Dunkel und drängend schiebt sich der Opener “Goit” ins Album. Bis zum Titelsong an sechster Stelle sind Bdrmm dann nahezu bei Minimal Music angelangt.

Die Umorientierung, weg vom Shoegaze-Rivaval hin zu Soundtüftlern wie Thom Yorke, sie war in dieser Konsequenz nicht abzusehen und gelingt für den Moment erstaunlich gut. Wie weit Bdrmm damit kommen, wird sich noch zeigen müssen.

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